Gewerbeverein Brechen e.V. lud zum Wirtschaftsforum ein
Der Gewerbeverein Brechen e.V. lud ein zum Wirtschaftsforum, diesmal im Rahmen des politischen Aschermittwochs. Doch, wo in der „großen“ Politik erst WÄHREND der Veranstaltung die Emotionen und Argumente in Wallung geraten, ist dies bereits im Vorfeld des Wirtschaftsforums passiert. So sagten die Leiter der im Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen CDU, SPD und FWG ihre Teilnahme am Forum ab.
Dies geschah teilweise mit dem Hinweis auf den knapp einberaumten Termin oder mit dem Hinweis auf die bevorstehende Wahl. Gegenüber der Presse verlautbarte Gerd Roos von der FWG im Vorfeld, dass man natürlich jederzeit für Gespräche zur Verfügung steht, doch nicht so kurz vor der Wahl. Ob nun dies mißverständlicherweise kurz vor der Veranstaltung in der Presse platziert oder die lange Karnevalskampagne schuld waren, ist unklar. Doch die Veranstaltung hat stattgefunden und die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, die Gewerbetreibenden und die anwesenden Vertreter der FDP (Michael Arthen), Die Grünen (Philipp Grassnik) und Edmond Heinrichs für die Linke konnten offen und ungeschönt direkt und konstruktiv die ausgeschriebenen Themen diskutieren.
Informationsgewinnung und deren Weitergabe an die Bevölkerung hilft beim konstruktiven Miteinander, bei der gegenseitigen Akzeptanz und dem Miteinander in der Gemeinde – das könnte man als Tenor der Veranstaltung herauslesen. Denn gerade so kurz vor der Wahl werden die Politiker/innen an dem gemessen, was sie für die Bürger/innen direkt spürbares getan haben. Wahlversprechen von der letzten Wahl sind vergessen und man hofft darauf, Wählerstimmen zu bekommen – doch einer Diskussion und ggf. direkten Konfrontation auch mit unbequemen Themen stellt man sich nicht, bedauerte Sascha Kurz, der Vorsitzende des Gewerbevereins, der zum Forum eingeladen hatte.
Die anwesenden Parteien nutzten dieses Forum jedoch, um sich, ihre Persönlichkeit und ihre Ziele darzustellen. Michael Arthen, selbst Geschäftsführer, empfahl, die Bürger mehr als Kunden zu sehen und das Handeln in der Verwaltung entsprechend kundenorientiert zu optimieren. Regelmäßige Kommunikation und Information zwischen Gemeindevertretern und den Bürgern sei unerlässlich und das nicht nur vor Wahlen, hob er hervor. In Zeiten leerer Kassen besteht die Möglichkeit, entweder die Kreditaufnahmen zu erhöhen oder eben die Ausgaben zu reduzieren; Brechen hat nicht zuletzt aufgrund guter Infrastruktur und Nähe zu den Ballungsräumen gutes Entwicklungspotential und könnte so auch die Einnahmeseite verbessern. Als Geschäftsmann, wie ja im Gewerbeverein üblich, ist es unser täglich Brot, und so sei man auch gerne bereit, das Ergebnis für/mit der Gemeinde zu optimieren.
Auch, wenn die Gemeinde kein Unternehmen ist, sollte hier das unternehmerische Denken genutzt werden – zum Wohle aller. Da bei dieser öffentlichen Veranstaltung des Wirtschaftsforums aufgrund der Vorfeldirritationen nur wenige Bürger die Möglichkeit genutzt hatten, waren sich die Anwesenden einig, dass die Einführung eines regelmäßigen Bürgerforums sinnvoll sei. Es gibt so viele Themen in der Gemeinde, die Bürger gerne ihren gewählten oder bald gewählten Volksvertretern zur Disukussion stellen möchten. Auch Jan Kieserg, der die Veranstaltung moderierte, war begeistert von so viel Dynamik in der Gemeinde. Es gehe nicht darum, nur schwarz oder weiß zu sehen, es gibt einfach Dialogbedarf, um zusammen das Ziel einer lebens- und liebenswerten Gemeinde auch für die Zukunft zu sichern.
DSL als Dauerthema
DSL, die Breitband-Internetdatenanbindung ist in Ober- und Niederbrechen nach wie vor nicht flächendeckend in adäquaten Geschwindigkeiten verfügar. Dies ist ein enormer Standortnachteil betonte Michael Arthen. Wohnungen ließen sich nicht gut vermieten, wenn DSL zu langsam ist oder gar überhaupt nicht verfügbar ist und gleiches gilt für Gewerbean- oder Umsiedlungen, betonte Ulrich Heun für die Gewerbetreibenden. Arthen setzte sich für ein pfiffiges Standortmarketing ein, um den Standort bekannter und auch in Zukunft attraktiver zu machen. Hier ist dringender Handlungs- und Klärungsbedarf vorhanden, wie auch die nachdrückliche Diskussionsrunde zum Ausdruck brachte.
Zukünftig werden sich Gemeinden um den Zuzug junger Familien und Gewerbetreibender wesentlich stärker bemühen müssen da die demographische Entwicklung zu einem negativen Saldo führen wird und eine Überalterung der Gemeindebevölkerung stattfinden könnte; damit würde sich dann auch die Attraktivität und Wirtschaftskraft der Gemeinde abschwächen. „Was nutzen die schönsten Sportplätze wenn es in Zukunft keine Jugendlichen mehr gibt die diese auch nutzen?“, hob Michael Arthen hervor. Es bestand Konsens darin, dass ein kontinuierlicher Dialog mit den Bürger stattfinden muss, um die jeweiligen Bedürfnisse und Anforderungen der Gruppen in der Bevölkerung besser in Einklang bringen zu können.
Ortsumgehung
Die anwesenden Bürger freuten sich ganz besonders auf die angekündigten Informationen zur geplanten Ortsumgehung. Sascha Kurz hatte hierzu Grafiken vorbereitet, auf denen drei der möglichen Verlaufsvarianten gekennzeichnet waren. Das, was die Bürger reklamierten war, dass man auch selbst schon bei der Gemeinde nachgefasst habe, doch die Aussagen eher unklar in Bezug auf eine klare Planung waren und dort an die Straßenbehörden verwiesen wurde, und das, obwohl – wie Sascha Kurz betonte – die Pläne seit Jahren vorliegen.
Die Diskussion um die Ortsumgehung wurde heftig geführt. Als Beispiel wurde die bereits durchgeführte Ortsumgehung in Oberbrechen herangezogen, denn einerseits freuen sich die Anwohner über weniger befahrene Straßen und einen neu gestalteten und zum Treffpunkt avancierten Dorfplatz, doch die Gewerbetreibenden bedauern den mangelnden Durchgangsverkehr als Entzug der potentiellen Kundschaft, gerade heute, wo doch alle die kurzen Wege bevorzugen.
Brennpunkt Wilhelmstraße/Rathausstraße
Engagierte Bürger hatten ihre Ordner mitgebracht und freuten sich eigentlich auf den Dialog mit den Gemeindevertretern, die jedoch nicht zugegen waren, doch nichts destotrotz erfuhren die anderen Anwesenden, daß bereits seit drei Jahren versucht werde, den Unfallschwerpunkt Wilhelmstraße/Rathausstraße zu entschärfen – auch die Eigeninitiative eines Einzelnen mit Polizei und Gemeinde Kontakt aufzunehmen wurde immer wieder zurückgewiesen und bis heute seien dort regelmäßig Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs und es komme immer wieder zu brenzligen Situationen.
Die sensible Problematik der Einführung eines Polizeipostens/Sicherheitsdienstes, der in Brechen patrouliert und den ruhenden Verkehr überwacht oder solche Gefahrenpunkte z.B. mit Radarmessungen begleitet, wurde von der Versammlung begrüßt.
Jan Kieserg, Sascha Kurz und die Vertreter der Parteien und die Anwesenden resümierten positiv über den offenen Dialog, der in Brechen auch in Zukunft auch nach der Wahl regelmäßig stattfinden müsse, um die Nähe zum Bürger zu gewinnen und diese auch über die Wahlperioden hinweg behalten zu können.
