„Ich will ja leben – ein Krebstagebuch“
Das Brustzentrum St. Vincenz hat sein neues Seminarprogramm herausgegeben. Einen Höhepunkt gibt es gleich zu Beginn mit einem filmischen Krebstagebuch, das am Samstag, 28. Januar, um 9 Uhr im Reha-Zentrum Meuser Gesundheitszentrum Schafsberg zu sehen ist. Im Anschluss diskutieren Filmemacherin und Schauspielerin Kathrin Spielvogel und die Psychoonkologen Ruth Bothe und Peter Behrla sowie MitarbeiterInnen des Brustzentrums unter Chefarzt Dr. Peter Scheler mit interessierten BesucherInnen.
Kathrin Spielvogel ist 34, als der größte Alptraum ihres Lebens beginnt: Nach der Diagnose Brustkrebs muss sie sich eine Brust abnehmen lassen und anschließend eine hochdosierte Chemotherapie durchleben, da der Krebs schon gestreut hat. Intuitiv beginnt Sie, ein Videotagebuch zu führen und filmt sich selbst. Ihr Tagebuch lässt sie ungehemmt all das sagen, was vor Dritten unmöglich gewesen wäre. Eine Achterbahnfahrt durch Höhen und Tiefen und durch ihren Schmerz. Zehn Monate nach der Chemotherapie wird daraus ein Film: „Ich will ja leben, oder? – Ein Krebstagebuch“ lautet der Titel. Im vergangenen Jahr war er für den Grimmepreis nominiert, zuvor lief er bei Spiegel TV und Vox.
Ganz authentisch nimmt Kathrin Spielvogel den Zuschauer mit auf diese sehr persönliche Reise - eine Achterbahnfahrt durch die Realität einer Krebspatientin. Die Zuschauer erfahren viel über den Umgang einer Frau mit dem Verlust eines Körperteils, das so viel mehr ist als Drüsengewebe. Sie erleben aber auch den Weg der Schauspielerin auf ihrem Weg, sich neu zu entdecken, wahrnehmen und anzunehmen - ein erschütternder und bewegender Dokumentarfilm, der nicht nur wahrhaftig ist, sondern vor allem auch Mut macht. Vor allem auch Angehörigen und Freunden kann er sicher eine wertvolle Hilfe im Umgang mit der Erkrankung eines geliebten Menschen geben.
Jedes Jahr erkranken rund 55.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Immer sind es schwere, schicksalhafte Einschnitte im Leben der betroffenen Frauen, die sie aus ihrem „normalen Alltag“ herausreißen und sowohl sie selbst, als auch ihre Angehörigen sehr belasten. Vor diesem Hintergrund will das Brustzentrum St. Vincenz seine Patientinnen nicht nur medizinisch auf hohem Niveau begleiten, sondern auch in den Fragen unterstützen, die sich oft erst nach dem stationären Aufenthalt stellen. Deshalb gibt es das ergänzenden Seminarprogramm, welches ganz bewusst nicht primär ärztlich ausgerichtet ist und auch in diesem Jahr erneut deutlich ausgebaut wurde. In diesem Umfang, vor allem aber in dieser Vielfalt sucht dies sicher bundesweit seinesgleichen. „Eine der größten Herausforderungen der gynäkologischen Onkologie ist es, diesem oft komplexen Krankheitsbild adäquat zu begegnen und die Patientinnen gleichzeitig mit ihren individuellen Ängsten und Sorgen, bei ihrer Suche nach Antworten auf zahl-lose Fragen nicht allein zu lassen“, so Chefarzt Dr. Peter Scheler.
Fachleute aus Medizin und Psychologie, Naturheilkunde, Körpertherapie und Soziologie informieren im Rahmen der Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Brustkrebs bewegt“ über den jeweils aktuellen Wissensstand, neue Wege und bewährte Behandlungsstrategien und stehen für persönliche Fragen zur Verfügung. So gibt es neben Powerfrauen-Gymnastik Informationen zu „Mammakarzinom und Sport aus orthopädischer Sicht“ oder auch den aktuellsten Stand über die Möglichkeiten der Brustrekonstruktion. Dass dies im Jahr 2012 ein besonders aktuelles Thema sein würde, war bei der Organisation der Veranstaltungsreihe noch nicht absehbar – so findet diese Veranstaltung auch erst im Juni dieses Jahres statt. So viel aber schon jetzt: die als gefährlich geltenden Brustimplantate des französischen Anbieters PIP, der möglicherweise krebserregendes Silikon verwendet hat, wurden am St. Vincenz-Krankenhaus definitiv nicht eingesetzt: „Wir haben in kei-nem Fall und zu keinem Zeitpunkt Billigprodukte der französischen Firma PIP eingesetzt, sondern arbeiten ausschließlich mit einem renommierten Hersteller von Brustimplantaten zusammen“, kann Chefarzt Dr. Peter Scheler seine Patientinnen beruhigen.
Fester Bestandteil des Seminarprogramms bleiben die bewährten Kosmetikseminare in Zusammenarbeit mit DKMS Life (nach Anmeldung unter Tel.: 06431/292-7466) sowie das beliebt Angebot der Kunsttherapie mit Ulla Schroeder (Anmeldungen unter Tel.: 06431/292-24566). Auch die Musik bleibt im Programm: „Ich trommle - … weil`s gut tut“ heißt das Motto des Trommelkurses mit An-drea Dillmann, der stellvertretenden Leiterin der Kreismu-sikschule - durch die Unterstützung der Krebsnothilfe Dehrn kann dies kostenlos angeboten werden. (Anmel-dungen direkt bei der KMS unter Tel.:06431 / 215 71 90). Der Tanzworkshop der Limburger Tanzschule Schöffl speziell für Brustkrebspatientinnen ist ab diesem Jahr eine dauerhafte Einrichtung – nähere Informationen hierzu direkt in der Tanzschule unter Tel.: 06431 / 22936. Auch das Drachenbootfahren mit dem Kanuclub Limburg hat sich etabliert: Unter dem Motto „Paddeln gegen Brustkrebs“ können sich Interessierte beim Kanuclub Limburg melden (Rolf Brilatus 06433 / 5348 oder Marion Krischner-Schmidt 06483 / 7170).
Alle Angebote sollen den Frauen helfen, mit Brustkrebs zu leben, einen ganz persönlichen Weg aus der oftmals erlebten Ohnmacht zu finden, die diese Erkrankung mit sich bringt. Dr. Peter Scheler: „All dies soll die betroffenen Frauen zu einem lebensbejahenden Umgang mit den Folgen ihrer Erkrankung ermutigen.“


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