Mutter wegen Tötung ihrer drei Kinder vor Gericht

33-Jährige aus Villmar widerruft Geständnis
Mittwoch, 25.01.2012
Die wegen dreifacher Kindstoetung angeklagte Natalja M. (r.) wartet am Mittwoch (25.01.12) auf der Anklagebank im Landgericht in Limburg auf den Prozessbeginn, waehrend vor ihr Medienvertreter stehen. Die Altenpflegerin aus dem mittelhessischen Villmar soll zwischen 2004 und 2009 eine Tochter und zwei Soehne erstickt haben. Die Kinder waren zwischen 16 Tagen und 3 Monaten alt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Frau mit ihrer Situation als Mutter ueberfordert sah. Foto: dapd

-dapd- Wegen der Tötung ihrer drei kleinen Kinder muss sich seit Mittwoch eine 33-Jährige vor dem Landgericht Limburg verantworten. Zum Prozessauftakt widerrief die Altenpflegerin ihr zuvor bei der Polizei abgelegtes Geständnis, auf das sich die Anklage größtenteils stützte. Der als Zeuge vernommene Ehemann hält seine Frau für unschuldig, war beim Tod der drei gemeinsamen Kinder aber nicht anwesend.

Bei ihrer Festnahme im vergangenen September hatte die Altenpflegerin aus Villmar gegenüber den Beamten zugegeben, zwischen 2004 und 2009 eine Tochter und zwei Söhne jeweils im Säuglingsalter erstickt zu haben. Die Anklage lautet auf Mord.

Die ums Leben gekommenen Kinder waren zwischen 16 Tagen und drei Monaten alt. Als Motiv nannte der Staatsanwalt, die Frau habe sich von den Mühen des Mutterseins genervt gefühlt: "Sie wollte kein Weinen hören und nachts keine Windeln wechseln." Bei den Morden soll die Frau immer auf gleiche Weise vorgegangen sein. "Sie steckte den Säuglingen ein Tuch in den Rachen, hielt ihnen die Nase zu und wartete, bis sie tot waren", sagte der Staatsanwalt. Nach den Taten soll die Frau den Notarzt gerufen haben: Mediziner diagnostizierten bei den Obduktionen der ersten beiden Säuglinge plötzlichen Kindstod.

Nach drittem Säuglingstod begannen Ermittlungen

Nach dem Tod des dritten Kinds leitete die Staatsanwaltschaft umfangreiche gerichtsmedizinische Untersuchungen ein und begann zu ermitteln. Bei Vernehmungen im Beisein eines Rechtsmediziners sollen sich die Eheleute dann in Widersprüche verstrickt haben. Die Frau wurde festgenommen. Danach schilderte sie den Ermittlern die Taten ausführlich.

"Ich habe meine Kinder nicht getötet", erklärte die Angeklagte nun am Mittwoch. "Ich weiß nicht, warum ich das gesagt und warum ich die Schuld auf mich genommen habe." Ob das gegenüber den Ermittlern abgelegte Geständnis verwertbar ist, will das Gericht noch entscheiden. In ihren Verhörprotokollen hatten die Beamten erforderliche Belehrungen nicht vermerkt.

Ehemann will ahnungslos gewesen sein

Das Ehepaar heiratete 2003 im sibirischen Omsk. Seine bereits schwangere Frau sei 2004 nach Deutschland ausgereist, sagte der 30-Jährige bei der rund dreistündigen Vernehmung am Mittwoch. Weil er zunächst noch eine Bewährungsstrafe verbüßt habe, sei er ihr dann über ein Jahr später gefolgt. Vom Tod des ersten Kindes habe er telefonisch erfahren. Beim Tod des zweiten Säuglings sei er ebenfalls nicht zu Hause gewesen, sagte der Mann.

Auf Anraten des Hausarztes habe er 2009 den Nachtschlaf des dritten Kinds mit einem Monitor überwacht. "Morgens hat das meist meine Frau übernommen", sagte der Zeuge. Am Todestag des Kindes habe sie ihn abgelöst, er habe dann etwa zehn Minuten geschlafen, bis sie ihn geweckt habe. Sie habe berichtet, nach ihrer Rückkehr von der Toilette habe der Säugling nicht mehr geatmet.

Der Ehemann erklärte vor Gericht, seine Frau für unschuldig zu halten. Gegenüber den Ermittlern soll der Mann allerdings angegeben haben, nach dem Tod des dritten Kinds seine Frau verdächtigt zu haben.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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