Spürnasen im Dienste des Menschen
Hund "Jacky" ist hoch konzentriert. Es riecht nach Grillwürstchen und Steaks, aus den Lautsprechern dröhnt die Stimme des Moderators über den Platz und rund 200 dicht gedrängte Zuschauer böten ausreichend Gelegenheit, sich abzulenken. Aber Jacky bleibt ruhig liegen, während seine Hundführerin Rositha Mülhöfer die eben von ihm unter einer Zeltplane gefundene Person versorgt und betreut.
Jacky ist Rettungshund für Flächen- und Trümmersuche und gehört zur Rettungshundestaffel Limburg-Westerwald der Johanniter-Unfall-Hilfe. Was er und seine vierbeinigen Kollegen auf der Suche nach Vermissten oder Verschütteten zu leisten in der Lage sind, demonstrierte die Staffel im Rahmen des "Tag des Hundes" am 6. Juni auf dem Gelände des Hundesportvereins Ransbach-Baumbach.
"Rettungshunde", so Staffelleiter Kai Brunner, "müssen in so einer Situation absolut im Gehorsam stehen. Wenn wir eine verletzte oder bewusstlose Person finden, hat der Hundeführer keine Zeit, erst noch seinen Hund irgendwo anzuleinen." Bis ein Rettungshund allerdings das erste Mal an einer realen Suche teilnimmt, vergehen zwei bis drei Jahre Ausbildungszeit.
An ein bis zwei Tagen in der Woche lernen die Vierbeiner, menschlichen Geruch in unterschiedlichsten Gebieten aus einer Fülle von Störgerüchen herauszufiltern, ihm sicher zu folgen und schließlich ihrem Hundeführer den genauen Standort der gefundenen Person anzuzeigen.
Auch Ausschnitte dieses Ausbildungsprogramms präsentierten die Johanniter am Tag des Hundes. Von der Spielrunde, mit der getestet wird, wie freundlich und offen sich die Hunde gegenüber Menschen verhalten, über das Suchen einer versteckten und die Anzeige einer gefundenen Person bis hin zur Gerätearbeit reichte das Spektrum. Gerade auf dem eigens angelieferten Geräteparcours war für das fachkundige Publikum der Unterschied zwischen Hundesport und Rettungshundearbeit gut zu erkennen: Wo die Turnierhundesportler gut eine Stunde später regelrecht über ihre Geräte flitzten, waren die Rettungshunde bedächtig und kontrolliert auf den Leitern, Hängebrücken und Wippen unterwegs. Immerhin müssen sich die Hunde später auch in schwierigstem Gelände sicher und punktgenau bewegen können ohne unnötige Risiken einzugehen.
Das gilt selbstverständlich auch für die Hundeführer. So stehen neben der Ausbildung ihres Hundes für diese außer Erster Hilfe unter anderem noch Lehrgänge in Unfallverhütung, Einsatztaktik und - je nach Einsatzbereich - auch Trümmerkunde auf dem Plan. Dies alles leisten sie völlig unentgeltlich und komplett ehrenamtlich, um im Ernstfall gemeinsam mit ihren Hunden Leben retten zu können. Rund 40 Mal rückte die Staffel im letzten Jahr zu Einsätzen hier in unserer Region aus.
Der nächste "Ernstfall" für Jacky kam bereits eine Woche nach dem Tag des Hundes. In Wilhelmshafen musste er sich vor kritischen Augen der turnusgemäßen Überprüfung seiner Einsatzfähigkeit stellen - er hat mit Bravour bestanden.
Die Rettungshundestaffel Limburg-Westerwald bietet regelmäßig Probetrainings und Schnupperkurse für Interessierte an. Mehr Informationen unter: www.rettungshunde-juh-mittelrhein.de
